Kälte, Sonne, Ruheplätze – wir erleben menschliches Miteinander

Die Nacht vom 7. auf den 8. Juli war kalt. Seeeeehr kalt! Minus 3 Grad Celsius. Das zeigt uns wieder mal: Auch im Sommer sollte die Ausrüstung darauf ausgelegt sein, nie zu frieren, denn eine durchzitterte Nacht beeinträchtigt die Leistung am nächsten Tag enorm.  Unser Zelt, das Rodane von Bergans, haben wir bewusst in der Größe für drei Personen gewählt, um genügend Platz zu haben. Das geräumige Vorzelt hält unsere Ausrüstung auch in kalten und feuchten Nächten trocken – unbezahlbar. So haben wir trotzdem sorgenfrei geschlafen, in unserer Merino-Unterwäsche. Welch ein Segen, das wir sie eingepackt haben.

Nach dem Aufstehen schauten wir uns nach dem Plätschern des Wassers um und entdeckten die schöne Flusslandschaft kurz hinter unserem Zeltplatz. Inzwischen geht das morgendliche Packen leichter von der Hand – ein wenig Routine hat sich eingestellt. Der Kilometer Null der Donau bietet einen schönen Platz zum Verweilen, und wir ließen einfach ein wenig Zeit vergehen, ehe es weiterging. Im weiteren Verlauf der Tagesetappe trafen wir auf das Schwenninger Moos. Ein Naturschutzgebiet, welches schon seit 1939 besteht. Wir können es nicht anders beschreiben, auch wenn das ein wenig abgedroschen klingt: eine Oase der Ruhe auf über 100 ha Fläche. Hier darf alles wachsen, wie es will – in die Natur wird nicht eingegriffen. Und was erleben wir? Die Natur macht ihre Sache gut!

Weiter ging es Richtung Oberndorf. Dort sind wir eine Nacht bei den Dachgebern Eva und Jürgen untergebracht und können unserem Zelt mal eine Pause gönnen.  Eva und Jürgen haben immer eine offene Tür für Menschen in Not, und das ist nicht nur so ein Spruch. "Wir strecken unsere Hände aus", so Eva. Die Beiden sind überzeugt, dass Zuwendung, wenn sie denn von anderen bemerkt wird, dazu führt, das diese irgendwann selbst die Hand ausstrecken. Hier beginnt menschliches Miteinander, und wir durften das erleben.  Ihr Beiden – unseren lieben Dank für Eure Zeit.

Der Streckenverlauf am Neckar entlang Richtung Tübingen gestaltete sich flach, und die Sonne hatte offenbar viel Freude daran, uns zu bescheinen.

Empfehlen wollen wir den idyllischen Ruhe- und Pausenplatz kurz vor Sulz am Neckar. Er trägt den Namen "Marienplatz". Eine Marienerscheinung hatten wir zwar nicht, doch fühlen wir uns auf unserer Reise getragen.

Der Radweg ist durch den feinen Schotter sehr angenehm zu fahren und nahezu für jeden Radtyp geeignet. In Sulz am Neckar stießen wir am Marktplatz auf ein Café und gleich daneben den Radladen Sport Bike Stiehle. Da gerade auch noch Markttag war, füllten wir den wenigen Raum in unseren Taschen mit frischem Ost.

Der weitere Verlauf zwischen Sulz und Tübingen gestaltete sich hügelig mit teils giften Anstiegen, an denen so ein Hänger das unbestimmte Gefühl auslöst, hinter dir radelt einer in die andere Richtung. So kam das Angebot unserer Gastgeber der letzten Nacht (Eva und Jürgen), den Anhänger und Teile des Gepäcks über diesen Abschnitt zu transportieren, wie ein Geschenk über uns. Und glaubt uns: Wir haben direkt und ohne jede Nachfrage angenommen.

Kurz vor Rottenburg am Neckar ließen wir uns von der Natur zu einer Badepause einladen. Tja, und dann entschieden wir: Tübingen hat Zeit bis morgen.

Für Reinhard ist diese Region mit vielen Erinnerungen verbunden, da er lange Jahre hier gearbeitet und gelebt hat. Wir sitzen am Wasser, und Lebensgeschichten kommen an die Oberfläche. "Es gab diese leckeren Sahne-Lendchen mit einem extra Schlag Sahne oben drauf, den sich die Kinder immer für ihre Spätzle mit Soße geholt haben. Im Schwenninger Moos hat mein einer Sohn das Radfahren gelernt, und im Winter wurde auf den Riedseen Schlittschuh gelaufen", erzählt er. Diese Erinnerungen sind wie bunte Bilder, und wir werden uns bewusst, dass sie ganz besonders sind, denn sie sind ein Teil von uns, der uns jeden Tag begleiten darf, wenn wir es zulassen.

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