Auf den letzten Drücker kommen wir im Klinikum St. Johannes in Dortmund an. Wir hatten ordentlichen Gegenwind und den Termin fix vereinbart. So freuen wie uns sehr, dass sich Georg Kunz und Uschi Weber Zeit für uns nehmen. 

Wir kommen schnell ins Gespräch und fragen Georg Kunz, wie wichtig der Zeitfaktor ist, wenn eine Patientin die Krebsdiagnose bekommt. Fragen weiter, wie wichtig es ist, Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen mit ihren Ängsten und all der Unsicherheit. Zeit gebe es immer, antwortet der Mediziner vom Brustzentrum, und die sollten sich betroffene Frauen auch nehmen. Der Brustkrebs sei in der Regel keine Krebsart, bei der es auf die ersten zwei bis drei Wochen nach der Entdeckung ankomme. Wichtig sei eine ausreichende Information aus verschiedenen Quellen und sich gegebenenfalls auch eine Zweitmeinung einzuholen. Erst kürzlich habe er einer neuen Patientin, die schon den Urlaub für Amrun mit ihrer Familie gebucht hatte, gesagt: Machen Sie das ruhig, wenn Sie in der Stimmung dafür sind. Nehmen Sie sich die Zeit, danach können Sie sich noch immer in alle Ruhe kundig machen.

Und eine weitere wichtige Botschaft hat Dr. Kunz: Wer Krebs hat, mit all seinen Nebenwirkungen, dem geht es nicht immer gut, und der muss auch nicht immer Stärke zeigen. Uschi Weber fügt hinzu: „Lasst es ruhig zu, dass es auch mal Tage gibt, die nicht so gut sind. Sich mal schwach zu zeigen, ist keine Schwäche, im Gegenteil.“

Am Abend besuchen wir Uschi, Psychoonkologin am St. Johannes Hospital, nochmals zu Hause. Sie hat ab und zu schon selbst Pink Ribbon Radtouren begleitet und 2016 ein mehrtätiges Radtourprojekt ins Leben gerufen. Dabeikommen die Frauen nicht nur in Bewegung und die Natur, sondern sie stellen sich besonderen Herausforderungen. Und Herausforderungen lassen sich einfacher meistern, wenn sie durch eine Gruppe bewältigt werden, etwa bei einer Flussdurchquerung. Manche waren unsicher und so sehr mit einem sicheren Halt beschäftigt, dass andere dafür ihre Schuhe und Kleidungsstücke, die sie vorher ausgezogen hatten, durch mehrmaliges Durchwandern des Wasser, sicher auf die andere Seite gebracht haben. Das klingt nach wenig, doch in der Situation bedeutet es alles. Uschi erzählt voll Freude und auch davon, dass die Frauen immer viel Spaß haben. 

Wir sind dankbar für das feine Abendessen und diese Offenheit im Gespräch. 

Heute übernachten wir im A&O Hostel Dortmund. Zur sicheren Aufbewahrung unserer Räder, öffnen uns die freundlichen Mitarbeiter extra einen Konferenzraum. Hier darf alles trocken und sicher stehen. Wir freuen uns sehr über diese Geste und senden nochmals einen lieben Dank ins Hotel.

Am  Dortmunder U, einem Zentrum für Kunst und Kreativität, hat uns schon der Vorplatz gefallen. Wie ihr sicherlich bemerkt habt, mögen wir Kunst in all ihrer Bandbreite. Es ist ja nicht so, dass wir nach Museen und Kunst regelrecht Ausschau halten, doch irgendwie purzeln diese immer wieder in unseren Weg. Nun gut, da müsst ihr durch. Das U ist in jedem Fall ein Tipp für euch, aber auch das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte sollte nicht unerwähnt bleiben. 

Das Erstaunliche an dieser Region, zumindest für Menschen ohne Ortskenntnisse wie uns, ist die Nähe der Städte zueinander. Wir planen, von Dortmund aus weiter nach Bochum zu fahren. Klingt nach ganz schön viel Strecke, sind aber nur zehn Kilometer, wobei es in Bochum-Werne nach nur 200 Metern wieder einen Hinweis auf den Stadtteil Dortmund-Lütgendortmund gibt. Wir sind gelinde gesagt etwas durcheinander und kümmern uns einfach um unser Ziel – das Bergbau-Museum. Vorbei am Goetheplatz mit seinen sitzenden Gestalten im Müßiggang, drängt es uns weiter. Das Deutsche Bergbau-Museum ist anscheinend das größte der Welt. 

Natürlich wollen wir da hinein und natürlich auch nach unten. Es ist schon erstaunlich, was man im Leben alles noch nicht gesehen hat. Einen Bergwerksstollen zu Beispiel. Mag ja sein, dass dies für euch nicht gilt, Reinhard und Doris zumindest waren noch nie so richtig unter der Erde. Gleich am Eingang dann die Begrüßung:

Zahl watte wills. Äh - wie bitte? 

Okay, wir werden aufgeklärt. Der ehemalige Bergbauarbeiter erzählt, unter Tage sind wir alle Kumpel. Dieses Wort leite sich von Kumpan ab. Es beschreibe jemanden, mit dem man sein Brot teilt. Und wenn einer arm war, dann hat man ihm eben von seiner Stulle abgegeben.

Na nu, kommt dann noch. Soll heißen: Was sagste? Wir sagen gar nix, müssen das erstmal sortieren. Doch der Kumpel sprudelt gleich weiter: „Ist doch klar, wenn ich meine Stulle mit dem Kumpan teile, weil er nix hat, dann sag ich doch nicht ,Sehr geehrter Herr Hochwohlgeboren, komm nimm doch von mir.‘ Nee, das sag ich nich, sondern ich sag: ‚Komm Kumpel, nimm von meiner Stulle.‘

Dieses lebendige Erzählung berührt uns. Sie beschreibt Leben, welches wir so nie wahrgenommen haben. Die Welt der Bergleute ist eine harte und sehr fordernde und doch auch eine mit viel Menschlichkeit.

Wir steigen ab, oder besser: Wir fahren ein und lassen unsere Bilder sprechen.

Zum Abschluss dieses beeindruckenden Erlebnisses bekommen wir noch die Gelegenheit, auf den Förderturm zu fahren. Wir nutzen die Chance für einige Bilder mit Blick auf die unerwartet grüne Stadt Bochum.
Unseren Zeltplatz für die heutige Nacht in Hattingen finden wir fünf Kilometer vor der Stadt, und er befindet sich auf dem Gelände des Kanuclubs Bochum. Noch Fragen, was die Ballung der Städte hier betrifft? 

Wir freuen uns, Gäste des Kanuclubs sein zu dürfen. Reichlich Platz haben wir und natürlich Zugang zum Wasser. Wir gestehen, das Museum hat uns schwer beeindruckt. Es ist unglaublich, was der Mensch alles leisten kann und über Jahrhunderte leisten musste. Und wir werden uns bewusst, dass dieser Ruhrpott eine tolle Region ist, mit viel Grün und nur kurzen Wegen von einer in die andere Stadt. Gefällt es uns? Ja, uneingeschränkt ja.

Kommentare

Hallo Svenja,

ja wir haben wirklich sehr viele schöne beeindruckende Erlebnisse in der Natur. Und auch die Begegnungen mit vielen Menschen die auf uns zugehen weil Sie einfach neugierig sind wo wir mit so viel Gepäck am Rad hin fahren. Das ist immer eine schöne Gelegenheit ins Gespräch mit Menschen zu kommen. Wir können unser Thema der Krebsvorsorge transportieren, aber auch über das wunderschöne Deutschland berichten und erhalten selbst immer wieder tolle Anregungen und Tips. All das macht uns sehr große Freude und viel Spaß.

Von daher ...das ist wie Urlaub, unterwegs sein in der Natur und spannende Begegnungen erleben und das alles mit dem Rad.

Kostengünstig und klimaneutral. Besser gehts doch gar nicht.

Vielleicht haben wir dir ja etwas Lust gemacht auf Natur und Bewegung

Liebe Grüße Doris und Reinhard

Wirklich beeindruckend was ihr jeden Tag so erlebt. Ihr braucht ja wohl Urlaub wenn ihr Tour vollendet habt. Viel Spass noch

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