Endlich – die Glutofentemperaturen der letzten Tage sind vorbei. Wir fahren im Schatten mitten durch ausgedehnte Wälderpassagen und genießen hervorragende Radwege, die überwiegend auch noch asphaltiert sind. Und wir kreuzen immerzu das Wasser. Mal unten durch, mal oben drüber (was schöner ist, denn so sehen wir die vielen Yachten bei ihren Schleusenpassagen). Man hat uns gesagt, es wäre mit einem geeigneten Boot überhaupt kein Problem, von Berlin über die Seenplatte bis zur Ostsee zu fahren – einen entsprechenden Bootsführerschein vorausgesetzt. Unvorstellbar, diese über unzählige Kanäle verbundene Wasserwelt.

Unversehens sind dann auch wir in dieser Wasserwelt. Regen fällt über uns her, und so beschließen wir, in Mirow bei der Reinhold-Eismanufaktur einen Stopp einzulegen. Zwei kleine Tische im Freien, überdacht und trocken. Genau das richtige für uns, die ja nunmal ungern drinnen sind. 

Kaum sitzen wir, gesellt sich ein Pärchen Ende 60 zu uns an den Nebentisch. Aufgrund unserer auffälligen Trikots und der schwer beladenen Räder kommen wir schnell ins Gespräch.  Es berührt uns immer wieder, wie offen sich die Gespräche um die Brustkrebs- und Prostatafrüherkennung entwickeln. Geschichten werden erzählt und Erlebnisse geteilt. Vom Mann erfahren wir, dass seine Frau vor zwölf Jahren die Diagnose Brustkrebs erhalten hat und sie leider nicht überlebt hat.
Doris muss einen Kloß im Hals herunterschlucken, denn das ist genau der Zeitraum, in dem sie ihre Diagnose erhalten hat. Ihr tut das unendlich leid, und sie sagt ihm das auch.
Doch er meint, das sei lange her, er  habe es verarbeitet. Und er erzählt, seine Frau habe immer alles in sich reingefressen und mit sich selbst ausgemacht. „Ich denke, das spielt auch eine Rolle, wie ein Mensch damit umgeht, wenn die Diagnose gestellt wird.“

Auf die Frage, was für einen Stellenwert bei ihnen Gesundheit und Prävention haben, sagen beide ganz spontan: "Uns sind eine gesunde Ernährung und Sport wichtig. Prävention ist für uns ein wichtiges Thema, das wir ernst nehmen und nutzen." Seine Partnerin lächelt und erläutert: "Da schau ich schon drauf, dass er die Früherkennungsuntersuchung nicht verpasst. Ich komme aus dem medizinischen Bereich und weiß, worauf es ankommt."

Fassen wir die letzten beide Monate unserer Tour zusammen, verging kaum ein Tag, an dem wir nicht mit uns völlig unbekannten Menschen über die Erkrankungen Brustkrebs und Prostatakrebs gesprochen haben. Und wir merken, es tut gut – uns und unseren Gegenübern. 

Wir müssen uns Zeit nehmen für unser Gegenüber. Jeder an seiner Stelle.

Unser Radweg ist ein Verwandlungskünstler. Erst bestens asphaltiert, geht er im weiteren Verlauf in einen wunderbar weichen Grasbelag über. Hier gibt es nur uns, den Wald, die Tiere und eine fast lärmende Stille, wie sie nur die Natur hervorbringen kann. 

Bis dann Reinhard die Stille zunehmend mit Schimpfen unterbricht. Unser Radweg, und ja, es ist nach wie vor ein offizieller Radweg, hat sich zunehmend in eine Sandpiste verwandelt. Anfangs schieben wir, da wir schlicht einen Sturz verhindern möchten, doch je weiter wir gehen, desto schlimmer wird der Untergrund, und die Frage nach fahren stellt sich gar nicht mehr. Der Sand wird tiefer, und wir brauchen eine gute Taktik, um die schweren Räder überhaupt noch vorwärts zu bekommen –aber wir finden keine.

Nach vielen vielen Kilometern, die wir ausschließlich durch Schieben bewältigen können, haben wir mindestens die Hälfte des Sandes in den Schuhen. Ach was, zwei Drittel....
Schön war's!

Die Sandpiste hat uns zeitlich doch sehr zurückgeworfen, sodass wir kurz vor Ankershagen bei einem Landwirt um Erlaubnis bitten, unser Zelt auf einem Stück seines Hofes aufbauen zu dürfen. Klar, gerne, kommt die spontane Antwort des jungen Bauern, sucht euch drüben auf der Wiese ein schönes Plätzchen. Haben wir gemacht. Herrlich. Dem jungen Landwirt senden wir einen lieben Dank.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

* Diese Felder sind erforderlich