Welch grandiose Aussicht. Über die Elbufer-Auen radeln wir auf Magdeburg zu. Die Sternbrücke mit dem Dom im Hintergrund wirkt einladend, und wir beschließen nach nur zehn Kilometern, dass wir Magdeburg nicht einfach umfahren können. Unser Tagesplan ist straff, doch wenigstens ein oder zwei Stunden wollen wir uns in der Stadt aufhalten.

Der Dom zu Magdeburg St. Mauritius und Katharina ist das Wahrzeichen der Stadt und der erste gotische Kathedralbau auf deutschem Boden. Egal aus welcher Himmelsrichtung man sich der Stadt nähert, die 100 Meter hohen Türme sind nicht zu übersehen.

Aus dem Dom heraus huschen wir noch kurz ins nahegelegene Hundertwasserhaus, auch grüne Zitadelle genannt. Staunen garantiert.
Die Anlage bietet sowohl Wohnraum als auch kleine Ladengeschäfte und ein nettes Café. Es machte Freude, die vielen kleinen Gänge und Ecken zu erkunden.

Doch dann machen wir uns weiter auf den Weg Richtung Schönhausen – nicht ohne noch kurz am Kunstmuseum vorbeizuschauen. Und wir stellen zum wiederholten Male fest: Eine Radreise durch Deutschland könnte auch ein Jahr dauern und wäre trotzdem keinen Tag langweilig. So vieles, was es zu entdecken gilt. Wir hoffen, dass die Leser unseres Blogs hier doch einige Anregungen finden, eine gute und spannende Radtour zu planen. Die dann auch Zeit beinhaltet, um die vielen schönen Dinge zu entdecken, die wir leider oft nur anreißen können.

Da es nun doch schon Mittag geworden ist, legen wir direkt außerhalb von Magdeburg an der Elbe bei Daniels Elbwerk eine Pause zur Stärkung ein. Es gibt mediterrane Küche, leicht und frisch zubereitet. Im Vertrauen gesagt: Egal, wann wir hier vorbei gekommen wären, wir hätten immer gehalten. Es ist einfach herrlich an diesem Platz.

In Richtung Rothensee wird die Elbe nun zunehmend breiter, und erste Frachtschiffe sind zu sehen. Das Schiffshebewerk in Rothensee ist einen Besuch wert. Das Meisterwerk der Ingenieurskunst wurde 1938 erbaut und ist eines der letzten vier Hebewerke in Deutschland. Eine Gefällestufe von bis zu 16 Metern zwischen Mittellandkanal und Rothenseer Verbindungskanal wird damit überwunden. Beeindruckend! Nehmt euch ein wenig Zeit, diesen Vorgang zu beobachten.

Tangermünde kennen wir schon von einer früheren Radtour und haben es in guter Erinnerung. Ein kleines Städtchen mit gefälligen Gassen und überraschenden Innenhöfen.
Für richtig guten Kaffee besucht die Kaffeerösterei. Von Hand aufgegossen und am Tisch zelebriert – prima Sache.

Kurz vor Schönhausen treffen wir auf Jörg Richter. Auch er ist mit schwerem Gepäck auf dem Rad unterwegs. Klar, dass wir kurz halten und uns austauschen. So erfahren wir, dass auch er für eine gute Sache unterwegs ist. Mit seiner Deutschlandfahrt möchte er auf Kinder mit seltenen Erkrankungen, man nennt sie auch die Waisen der Medizin, aufmerksam machen.
Jörg ist Sportwissenschaftler und hat für die AOK Präventionskurse ausgearbeitet. Wir erzählen, dass wir für Pink Ribbon und Blue Ribbon unterwegs sind – und er findet das richtig gut. Vor 30 Jahren, sagt er, habe man Krebspatienten geschont und ja nichts machen lassen, es könnte ja schaden. Heute aber sieht man das anders, betont Jörg. Glücklicherweise! Und er lacht: „Wenn du Sport treibst, wirst du einfach gesund älter.“

Wir radeln am Bismarck-Museum in Schönhausen vorbei, streifen in Jerichow die Klosteranlage und sehen in den Vogelschutzgebieten große Gruppen von Graugänsen. Das ist vielleicht ein Palaver. Wenn wir nur verstünden, was die sich so zu erzählen haben.
Weiter nehmen wir den Elbe-Havel-Radweg über Genthin, da wir den Tipp erhalten hatten, dieser führe entlang des Landkanals durch beeindruckende Natur.
Streckenweise sind wir über mehrere Kilometer völlig allein und genießen eine kurze Rast mit Fußbad am Wasser. Welch eine Wohltat.

Dann geht es immer tiefer in die Natur. Wir kommen auf einen Trail und sind für unseren Anhänger einmal mehr dankbar. Was der alles wegsteckt – unser ganzes schweres Gepäck und dann auch noch echt wildes Gelände.
Doch auch für den Hänger gibt es Grenzen, und die liegen da, wo ein Fahrrad schlicht nicht mehr weiterkommt. Kurz vor unserem Ziel Brandenburg versperren Bäume den Weg, und uns bleibt nichts anderes übrig, als zu wenden und ein langes Stück zu schieben. Es wird später, und wir haben noch keine Übernachtungsmöglichkeit. Der wunderbare Lichteinfall gegen Abend beschert uns dafür ein traumhaftes Wasserbild, mit einer nahezu perfekten Spiegelung.

Ob wir so spät mitten in Brandenburg noch einen Schlafplatz finden?
Nun, wir sind am Wasser, und da, wo Wasser ist, gibt es Kanuten. Diese sind bisher immer sehr offen gewesen, denn dieser Sport lebt auch davon, sich gegenseitig zu helfen. Wir kommen zum Brandenburger Kanuverein Wasserfahrer 1925 e.V. Der Verein ist Mitglied im DKV und war schon bestens über die Kooperation mit Pink und Blue Ribbon informiert. Toll finden sie unsere Aktion und sind erstaunt, wie das alles ohne Motor schaffbar ist. Wir halten dagegen: Ihr selbst nutzt für eure Fahrten auf dem Wasser doch auch ausschließlich Muskelkraft. Tatsächlich werden wir gerne aufgenommen, bekommen eine Dusche und sogar noch ein Abendessen.
Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft und die spontane Bereitschaft, uns aufzunehmen.
Vielleicht sollte es irgendwann mal eine Schleifenrouten-Tour durch ganz Deutschland auf dem Wasser geben? Ob durchgängig oder als Staffellauf - mal sehen...

Wenn Ihr mehr über die Arbeit der Awareness Deutschland gemeinnützige UG erfahren wollt:

www.blueribbon-deutschland.de
www.pinkribbon-deutschland.de
www.pink-kids.de

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