Bei mörderischer Hitze verlassen wir Berlin. Nicht nur die Sonne schickt alles, was sie hat, auch die schon über Tage hinweg aufgeheizten Wände der Gebäude strahlen enorme Wärme ab. In atemberaubender Geschwindigkeit steigt das Thermometer, und in den Häuserschluchten bei Sandau haben wir dann 43 Grad Celsius. Wir nehmen jeden, wirklich jeden Laden, der gekühlte Getränke anbietet, mit und wollen nur noch raus aus der Stadt. Wir halten uns an der Havel Richtung Spandau und kommen auch am Futurium vorbei. Die noch relativ junge Ausstellung zeigt die Möglichkeiten auf, wie wir in Zukunft leben könnten, und regt zum Diskutieren an. Und dann, endlich: die Schleuse Spandau. Es warten Wälder auf uns und damit rettende Kühle, zumindest hoffen wir das. Ein paar Grad weniger würden ja schon reichen.

Geschichtspark Falkensee, das klingt verlockend nach Wasser – nach viel Wasser, gleich ein ganzer See davon. Nun, wir wussten vorher nicht, wie oft uns die deutsche Geschichte auf dieser Reise einholen würde, doch diesmal kam es völlig unverhofft. Wir treffen nicht auf Wasser, sondern auf eine Gedenkstätte, zu der Barackenfundamente, eine erhaltene Baracke und eine Gedenktafel gehören. Es handelt sich um ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem überwiegend ausländische Gefangene interniert waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Es schmerzt, immer wieder in aller Deutlichkeit auf diese dunkle Epoche zu stoßen.

Dennoch, es gibt einen See in Falkensee. Nur ein kleines Stück weiter erwartet uns lindernde Kühle von Bäumen und Wasser am Falkenhagener See. Zeit für eine Pause. Wir sind echt platt und packen die Hängematte aus. Doris liegt noch gar nicht richtig drinnen, da ist sie auch schon weg. Gut so. Die Hitzeschlacht fordert ihren Tribut.
Sven, ein lieber Freund, den wir auf unserer Skandinavien-Tour kennengelernt haben, kommt uns mit dem Rad entgegen, denn wir sind heute bei ihm und seiner Familie eingeladen.
Und er hat auf dem Rückweg eine Überraschung für uns. "Ihr braucht sicher eine Abkühlung – ich hab da was", verspricht er, und wir sind gespannt.

Gemeint ist ein Abstecher auf den höchsten Berg in Brädikow – okay, ein Bonsai-Berg. Da haben zwei Jungbauern in ihrer Freizeit eine große Wasserrutsche installiert. Eine Freude für Jung und Alt. Viele Bewohner aus dem Ort und der nahen Umgebung sind gekommen. Was für eine geniale Idee – Jungs, ihr seid super. Danke, dass ihr das für die Menschen vor Ort umsetzt. Na dann nichts wie rauf auf die Rutsche, um dann in großer Geschwindigkeit nach unten zu sausen. Die 150 Meter lange Strecke hat einen Höhenunterschied von 15 bis 20 Metern. Mehr als 10.000 Liter Wasser werden mit einer Feuerlöschkreiselpumpe aus einem Becken am Ende der Rutschbahn wieder nach oben gepumpt. Völlig ausgelassen rustschen wir in voller Montur.

Zuhause bei Sven dann die zweite und dritte Überraschung:  Welch ein liebevoller Willkommensgruß von Sandra, Anna und Sven. Wir sind echt gerührt und nehmen das uns gereichte kühle Getränk gern an. Doris schaukelt für ihr Leben gern, sodass es nur Augenblicke dauert, bis sie in einer urbequemen Schaukel verschwindet und da eigentlich auch nicht mehr raus will. Doch es wartet nicht nur ein schöner Abend auf uns. Am Folgetag geht es hoch hinaus: Doris versucht sich an Svens Hobby, dem Baumklettern.

Baumklettern

Baumklettern. Das hört sich nach jeder Menge Spaß an, denke ich, und Sven bestätigt dies. Aber es ist nicht nur Spaß, sondern auch etwas Arbeit, denn es braucht eine gute Ausbildung und auch Hintergrundwissen über die Substanz des Baumes. Baumkletterer pflegen Bäume und retten auch mal verirrte Drohnen aus einer Astgabel, wenn es nötig ist.
Natürlich bekommt Doris eine umfangreiche Einweisung, von der sie, zumindest was die technische Ausrüstung betrifft, nur Bahnhof versteht. Vielleicht war das doch keine so gute Idee mit den Kletterversuchen.

Sven nimmt ihr mit seiner unglaublichen Geduld jedoch die Ängste, und nur deshalb geben wir dem Baumklettern im Blog diesen Raum, denn letztlich geht es uns hier ja überwiegend um das Radfahren. Für Doris war es eine sehr schöne und intensive Erfahrung. Zu spüren, wo die eigenen Grenzen sind. Auch im Vorfeld Ängste zu fühlen, ist gut – und erst mal die leichtere Variante, einen kleineren Baum, zu wählen. Denn Sven hat auch noch einen echten Riesen in petto. Das hat sich Doris dann doch nicht getraut, und darauf ist sie auch stolz. Die eigenen Grenzen zu überwinden, ist zwar wichtig – zu wissen, wo es im Moment nicht weiter geht, und sich dies einzugestehen, aber genauso wertvoll.

Hier ein paar Bilder für Euch.

Es war wunderschön mit Euch, ein herzliches Dankeschön für eure liebevollen Gesten und die tollen Gespräche unter dem Sternenhimmel mit den vielen Sternschnuppen, die es so nur in Brädikow gibt.

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