Das gibt heute 'ne tolle Kombination. Richtig heiß soll es werden – und dazu auch noch bergig. So schwingen wir uns früh auf die Räder, um möglichst lange bei gemäßigten Temperaturen fahren zu können. Gleich von Kassel an geht es stetig aufwärts bis nach Hessisch Lichtenau. Der Herkules-Wartburg-Radweg lässt sich gut fahren, trotzdem haben wir nach anderthalb Stunden schon drei Liter Wasser getrunken. Durchlauferhitzer nennt man so was wohl in der Technik.

In Helsa entdecken wir den Eco-Pfad mit Wissenswertem über die hiesige Industrie- und Kulturgeschichte. Die Kaskaden auf dem Bild zum Beispiel sind Ergebnis einer Sprengstofffabrik in Hessisch Lichtenau-Hirschhagen. Hier wurde ab dem Jahr 1938 der Sprengstoff TNT  produziert. Rund um das Werk wurden Unterkünfte für etwas 1000 Arbeiter gebaut. Wobei, eigentlich Arbeiterinnen, denn es handelte sich überwiegend um Frauen. Bald war das Wasser des Rohrbachs durch die Abwässer des Munitionswerkes kontaminiert. So musste der Rohrbach verlegt werden – zur Regulierung der Fliessgeschwindigkeit wurden die Kaskaden angelegt. Der Bau begann 1944; vor allem jüdische Frauen mussten hier arbeiten. Tatsächlich wurden die Kaskaden für ihren eigentlichen Zweck dann aber nicht mehr gebraucht – der Krieg war bei Fertigstellung beinahe vorbei.  So stehen sie heute als Zeugen einer unmenschlichen Zeit da, und die umliegenden Gemeinden gehen offen mit der Geschichte um. Das ist gut gegen das Vergessen.

In Hessisch Lichtenau steuern wir das Frau-Holle-Museum an, welches leider geschlossen ist. Doch es gibt einen Rundweg, der spannende Geschichten erzählt. Vorher hatten wir uns ein schattiges Plätzchen gesucht, um etwas zu essen und vor allem zu trinken. Was haben wir in uns reingeschüttet! Kaum vorstellbar, wieviel Wasser in einen hineinpasst, ohne dass man sich dabei selbst ertränkt. Wir haben unser kleines Picknick sehr genossen. Der Schatten hat gut getan, und die Zufuhr von Energie war nötiger als wir dachten.
Unseren Salat hatten wir schon vorbereitet, dazu ein wenig Obst, Käse und Würstchen für die Gelüste. Ja, das darf sein, denn Essen sollte nie zu einem Dogma werden. Alles was es braucht, ist ein großes Handtuch, und dann wird angerichtet. Sieht etwas gestellt aus? Ist es auch – extra für Euch. Wobei wir es uns eigentlich immer gemütlich machen.

Ups - wir sind nicht Schuld.

Kurz darauf dann dieses Rad. Festzuhalten bleibt: Heute ist es extrem heiß. Dem Rad nach zu urteilen, wird es in Hollstein, zumindest des Nachts, empfindlich kalt. Andere Erklärungen sind willkommen.

Im weiteren Verlauf wird die bergige Strecke zu einer hügeligen und schließlich fast flach. Dazu bekommen wir noch einen echt heftigen Rückenwind und fühlen uns nach der anstrengenden Tagesetappe fast getragen. Ist auch eine Form von Windenergie.

In Eisenach beginnt es zu regnen. Es ist warm und schwül. Also rein ins Bach-Museum, in den bequemen frei schwingenden Stühlen Platz nehmen und sich durch die faszinierende Musik des Komponisten für einige Momente weit wegtragen lassen. Es ist wunderschön.
Da wir nun schon so durch die Jahrhunderte geführt werden, gehen wir noch durch den Garten am Bach-Haus weiter zu Luther, denn auch er hat seine Spuren hier in Eisenach hinterlassen.

Körperlich und geistig waren wir heute somit voll gefordert. Insgesamt 10 Liter Wasser haben wir gebraucht, und streckenweise hatte es 36 Grad Celsius. Die Zeit verging wie im Flug, sodass es spät geworden ist. Ganz kurzfristig haben wir bei Eva und Clemens von den Dachgebern gefragt, ob sie uns für eine Nacht aufnehmen können. Die Zusage kommt prompt, und die Beiden erwarten uns mit reich gedecktem Tisch und einem kühlen Glas Wein.
Wisst ihr, Dachgeber müssen die Gäste nicht versorgen, und wir sind darauf eingestellt, doch wir sind von Herzen dankbar, dass wir so umsorgt werden. Nach einer erfrischenden Dusche geht es uns so richtig gut, und wir verbringen einen herzlichen Abend mit den Beiden.

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