Anhöhen, Täler und Hilfe in einer "verfahrenen Situation"

Unsere Tour führt uns von Esslingen im Neckartal über Beutelsbach im Remstal nach Pforzheim. Wie aus dieser kurzen Beschreibung klar wird: Es geht von einem Tal ins nächste, und dazwischen liegt meist eine Anhöhe. In unserem Fall mehrere, und die kurze Strecke vom Neckar- ins Remstal mit nur 20 Kilometern fordert uns ganz schön. Doch dieser Abstecher ist uns wichtig, da wir den Garten eines guten Freundes in der Nähe von Beutelsbach für einen Pausentag nutzen dürfen. Wobei: Es ist kein Pausentag im eigentlichen Sinn, wir wollen ihn vielmehr zur Pflege unserer Ausrüstung und vor allem zur Radpflege nutzen. Leider verfahren wir uns dann aber kurz vor dem Ziel komplett und stehen inmitten von Weinbergen irgendwo im Nirgendwo. Nico, unseren Gastgeber, erreichen wir natürlich auch gerade nicht. Zum Glück schauen wir aber verzweifelt genug in die Welt. Denn zwei Frauen fragen,  ob sie helfen können. Nach kurzer Schilderung steht fest: Wir laden einfach alles in ihre Autos, und die Beiden helfen uns nicht nur, Nico zu finden, sondern bringen uns auch gleich noch hin.

Haben wir hilfsbereite Menschen in Deutschland? Ja, die haben wir, und wir sind dankbar dafür.

Im Garten dann eine liebevolle Überraschung. Resi und Sabine von den Naturfreunden sind da und haben für uns einen Kuchen gebacken.

Die Radpflege ist enorm wichtig. Jeder, der eine längere Radreise unternimmt, sollte dafür nicht nur genügend Zeit einplanen, sondern auch die nötige Ausrüstung immer griffbereit haben. Neben der notwendigen Arbeit lassen wir auch ein wenig die Seele baumeln – und uns gleich mit. Unsere Hängematte ist genial . Verpackt gerade mal faustdick und 270 Gramm leicht, trägt sie doch locker zwei Erwachsene. Der herrliche Garten gibt uns auch die nötige Ruhe, wieder einmal in ein Buch zu sehen und unser Tagebuch zu schreiben. Wir lesen beide sehr gerne.

Von Flüssen, Weinbergen und der richtigen Balance

Wie schnell so ein Tag vergeht: Schon sind wir wieder auf Strecke. Bis Pforzheim haben wir laut Plan 80 Kilometer zu bewältigen, die Sonne scheint, und wir freuen uns auf den Tag. Auch weil uns auf halber Strecke einige Mitradler begrüßen und uns bis zu unserem Ziel begleiten. Diese Unterstützung tut gut.
Von Beutelsbach rollen wir auf flachem Kurs nach Waiblingen, vorbei am Haufeler Weinberg. Der war einst das größte Weinbaugebiet dieser Region, doch da es sich um sehr steile Hänge handelt und die Arbeit mühsam und kräftezehrend war, lag er irgendwann brach. Im Jahr 2000 übernahm dann das Berufsbildungswerk Waiblingen die Pflege. Inzwischen kümmern sich Ehrenamtliche einmal in der Woche darum.
Zwischen Remseck und Hohenweiler liegt das Biotop Zugwiesen. Hier finden Reiher, Falke und Milan Platz für sich. Aber auch das Blässhuhn und der Haubentaucher sind zu Hause. Die Plattform "Storchennest" bietet einen fantastischen Ausblick – eine gute Gelegenheit, um sich direkt am Radweg eine kleine Pause zu gönnen.

In Remseck überrascht uns Ralf mit seiner Hündin Tara, um uns zu begleiten. Er kennt die Region sehr gut und kann somit viel zu diesem Streckenabschnitt erzählen. Einige Kilometer weiter stoßen dann Elfriede, Werner und Gerburg zu uns. Sie begleiten uns nicht nur, sondern haben sich auch abgesprochen, Teile unseres Gepäcks zu übernehmen. Das ist eine Wohltat für uns auf dieser doch recht langen Tagesetappe, auf der wir zwischen Bietigheim und Vaihingen an der Enz den Neckartalradweg nutzen. Während der entspannten Fahrt durch wunderbare Landschaften entwickeln sich anregende Gespräche zwischen den Radlern. So sagt Ralf: "Gesundheit beginnt im Kopf. Es ist wichtig, sich achtsam um den eigenen Körper zu kümmern." Er betreibe Sport,  der Spaß mache und ihm ein gutes Gefühl gebe: Radfahren, Laufen und Segeln. Dabei müsse die Balance stimmen, gute Ernährung sei ebenfalls wichtig. "Doch auch die Seele will genährt sein, und gute Freunde und soziale Kontakte sind für mich von großer Bedeutung. Ich nehme mir Zeit dafür", sagt er.

Projekt Pappel : Der Künstler Werner Wahle aus Bietigheim-Bissingen verbindet Kunst und Natur miteinander. Direkt am Radweg gelegen kann man den ausgehöhlten Teil des Stammes bewundern und einen Blick in das Innere werfen.

In Vaihingen kommen noch unsere Freunde Detlef und Roland zu unserer inzwischen doch deutlich gewachsenen Radgruppe hinzu. Wir freuen uns riesig und begeben uns auf dem Enztalradweg in Richtung unserer Heimat, die wir Anfang Juli verlassen hatten, um uns gen Bodensee einzuradeln. Landschaftlich ist der Enztalradweg wunderschön gelegen. Zum Beispiel die Enztalschlinge zwischen Roswag und Mühlacker mit Blick auf die Steilhänge der Weinberge.

In Mühlacker entdecken wir dieses Kunstwerk aus Müll. Auf der einen Seite sind wir fasziniert von dem Werk, auf der anderen darüber entsetzt, wieviel Unrat in der Natur entsorgt wird. Da wir nur diese eine Welt haben und sie so kostbar und schön ist, wünschen wir uns, dass wir alle liebevoll und achtsam damit umgehen.  Für uns persönlich bedeutet das natürlich auch, dass wir nirgendwo während unserer Tour Spuren hinterlassen und alles an Müll einpacken.

Nach nun letztlich doch 95 Kilometern sind wir am Ziel und von Roland, Beate, Detlef und Jutta zu einer phantastischen Paella eingeladen. Wir werden voller Zuwendung umsorgt, und alle sehen zu, dass es uns gut geht und wir entspannen können. Und: Ihr glaubt es nicht – wir dürfen unsere müden Glieder sogar in einem warmen Whirlpool im Freien lockern. Der Abend klingt im Kreise unserer Freunde aus, und wir sind einfach glücklich.

Wir werden nun zwei Tage hier verbringen. Schon im Vorfeld haben wir verschiedene Termine abgestimmt und werden ein paar Interviews führen. Davon in Kürze mehr.

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